Fürstenfeldbruck: Rathaus will transparenter werden

Publiziert am 12. April 2017 von Wolfgang Killinger

Nach einer Meldung des Münchner Merkurs vom 23. März 2017 will die Stadt die BürgerInnen künftig besser informieren. Deshalb wünscht sich Bürgerbeteiligungs-Referent Andreas Ströhle eine so genannte Informationsfreiheitssatzung. Alle Fraktionen sind dafür.

Durch die spezielle Satzung soll es für den Bürger leichter werden, Informationen und Auskünfte von der Stadtverwaltung zu erhalten. Konkret sollen die Sitzungsvorlagen zu Beschlüssen des Stadtrats, die bisher vorab nur den Kommunalpolitikern selbst und der Presse zur Verfügung stehen, im Internet veröffentlicht werden. Die seitenlangen Ausführungen enthalten ausführliche Erklärungen zu Themen wie den jüngsten Beispielen Lichtspielhaus oder der Verkehrsführung am Brucker Bahnhof.

Diese fertigt die Verwaltung an, sie dienen den Stadträten als Beratungsgrundlage für ihre Entscheidungen, die sie in den öffentlichen Sitzungen – zu denen jeder Bürger übrigens immer kommen kann – fällen. Die Brucker sollen sich die Vorlagen künftig herunterladen können, um so mehr Hintergrundwissen zu erhalten.

Angestoßen hat das Projekt Andreas Ströhle (Piraten), Referent für Bürgerbeteiligung, der dabei Unterstützung von allen anderen Fraktionen bekam. In Bayern gibt es mittlerweile rund 80 Kommunen, die solche Satzungen besitzen. „Es geht darum, dass man dem Bürger den maximalen Zugang zu den Daten ermöglicht, über die die Stadt verfügt“, sagte Ströhle.

Er verstehe eine solche Satzung auch als Zeichen in Zeiten einer angeblichen Demokratie- und Politik-Müdigkeit. Damit werde generell das Einholen von Infos auch deutlich einfacher als bisher, da man zum Beispiel keine Begründung für sein Interesse angeben müsse. Bisher könne die Stadt den Bürgern eine Auskunft relativ leicht verwehren, sagte Ströhle. Der Mehraufwand für die Verwaltung halte sich in Grenzen, das zeigten die Erfahrungen aus anderen Kommunen: „Es ist keine Kostenexplosion zu erwarten, das ist Fakt.“..........

Der Leiter des Hauptamtes im Rathaus, Roland Klehr, sah beim ersten Satzungs-Entwurf für Fürstenfeldbruck noch Probleme. Er appellierte deshalb an den Ausschuss: „Bitte geben Sie uns Zeit, das so auszuarbeiten, dass es Hand und Fuß hat.“.........
Beispielsweise muss die Frage geklärt werden: Was wird von Haus aus veröffentlicht und was nur auf Anfrage? Und wie ausführlich werden Dokumente sein, welche die Stadt freigibt, zum Beispiel Protokolle der Stadtratssitzungen? Klehr meinte, man müsse vorsichtig sein, denn Informationen aus der Stadt könnten nicht nur für Bürger, sondern auch für Firmen interessant sein. Abschließend sagte Ströhle, ein Stadtrat müsse auch mal mit Kritik von Außen zurecht kommen, zum Beispiel wenn ein Bürger eine Entscheidung nicht richtig findet.

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Landkreis Garmisch-Partenkirchen: Informationsfreiheitssatzung in Kraft

Publiziert am 10. April 2017 von Wolfgang Killinger

Auf Antrag der FDP/Werdenfelser Liberale hat inzwischen auch der Landkreis Garmisch-Partenkirchen eine Informationsfreiheitssatzung. Leider ist es wie im Markt Garmisch-Partenkirchen nicht gelungen, darin auch Auskunftsrechte der Bürger gegenüber den kommunalen Unternehmen zu verankern. Das ist der Wermutstropfen.

Der Kreistag hat den Antrag am 26.3.17 einstimmig angenommen. Die Informationsfreiheitssatzung ist am 8.4.2017 in Kraft getreten.

Die FDP/Werdenfelser Liberale will weiterhin bei dem Thema Transparenz aktiv bleiben.

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Berg: Informationsfreiheitssatzung beschlossen

Publiziert am 22. März 2017 von Wolfgang Killinger

Auf Initiative unseres Bündispartners, des Bayerischen Journalisten-Verbandes (BJV) hat die erste Gemeinde im Landkreis Neumarkt/Oberpfalz eine eigene Informationsfreiheitssatzung: Der Berger Gemeinderat hat das neue Bürgerrecht mit großer Mehrheit beschlossen. Die Informationsfreiheitssatzung in Berg wird am 1. Mai 2017 in Kraft treten.
informationsfreiheit-neumarkt.de - Erste Gemeinde im Landkreis Neumarkt stärkt Bürgerrechte

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Bayer. Staatsregierung: Informationsfreiheitssatzungen weiterhin möglich, wenn Rechte Dritter geschützt werden

Publiziert am 19. März 2017 von Beate Büttner

Wie aus einer erneuten Antwort des Innenministeriums auf auf die Anfrage eines Abgeordneten Scheuenstuhl_SPD-1 hervorgeht, hält das Ministerium an dieser Auffassung fest. Art. 36 BayDSG steht kommunalen Informationsfreiheitssatzungen (IFS) nicht entgegen. Art. 36 BayDSG stellt eine Kodifikation des aus dem Rechtsstaatsprinzip abzuleitenden Anspruchs auf ermessensfehlerfreie Entscheidung über Informationszugangsbegehren dar, der in seinen Voraussetzungen und Rechtswirkungen auch im Verhältnis zur ortsrechtlichen Ausgestaltung solcher Rechtsverhältnisse klar von der Rechtslage in Ländern mit Informationsfreiheitsgesetzen zu unterscheiden ist. Gemeinden können im eigenen Wirkungskreis nach Art. 23 Satz 1 GO zur Regelung ihrer Angelegenheiten Satzungen erlassen. Hierzu gehört auch der Erlass von IFSn als Ausfluss der gemeindlichen Organisationshoheit. Art. 23 Satz 1 GO ist somit auch nach Inkrafttreten des Art. 36 BayDSG weiterhin grundsätzlich taugliche Rechtsgrundlage für IFSn.

Allerdings ermächtige die allgemeine Satzungsbefugnis aus Art. 23 Satz 1 GO nur zu Regelungen, die nicht in Rechte Dritter bzw. Grundrechte eingreifen. Kommunale IFSn müssten daher nach den vom BayVGH zutreffend aufgezeigten Prinzip des Vorbehalts des Gesetzes so ausgestaltet sein, dass personenbezogene Daten, die vom Recht auf informationelle Selbstbestimmung aus Art. 2 Abs. 1 i. V. m. Art. 1 Abs. 1 GG geschützt sind, ebenso wie Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse (Art. 12 Abs. 1, Art. 14 Abs. 1 GG) vor einer behördlichen Offenlegung im gesetzlich festgelegten Umfang geschützt seien.

Abhängig von der konkreten Ausgestaltung von IFSn sei daher eine genaue Überprüfung bestehender Satzungen an Hand der Aussagen des BayVGH angezeigt, rät das Ministerium. Dabei sei insbesondere zu beachten, dass die gesetzlich vorgegebenen Grenzen des Datenschutzrechts nicht modifiziert werden könnten.

Das Bündnis für Informationsfreiheit wird alsbald die §§ 'Schutz personenbezogener Daten' und 'Schutz von Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen' seiner Mustersatzung überprüfen.

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Opposition im Bayerischen Landtag: Gesetzliche Stärkung der Informationsrechte der Gemeinderatsmitglieder, Kreisräte und Bezirksräte

Publiziert am 16. März 2017 von Beate Büttner

Die unterschiedliche Stellung des einzelnen Gemeinderats-, Kreistags- und Bezirkstagsmitglieds im Auskunftsrecht gegenüber der Gemeindeverwaltung, dem Landratsamt als Kreisbehörde und der Bezirksverwaltung soll nach Meinung der Opposition im Bayerischen Landtag harmonisiert und den Gemeinderats- und Bezirkstagsmitgliedern das gleiche Auskunftsrecht wie den Kreistagsmitgliedern nach Art. 23 Abs. 2 Satz 2 Landkreisordnung (LKrO) gesetzlich eingeräumt werden. Die SPD-Fraktion im Bayerischen Landtag setzt sich im Rahmen des Gesetzentwurfs der Staatsregierung zur Änderung des Gemeinde- und Landkreiswahlgesetzes und anderer Gesetze (Drs. 17/14651), der derzeit im Landtag beraten wird, für eine Angleichung der Art. 30 Abs. 3 Gemeindeordnung (GO) und Art. 22 Abs. 3 Bezirksordnung (BezO) mit Art. 23 Abs. 2 LKrO ein (vgl. Drs. 17/15549, 17/15556 und 17/15558) und will zur Klarstellung das Auskunftsrecht um ein Akteneinsichtsrecht der einzelnen Mitglieder von Gemeinderäten, Kreis- und Bezirkstagen erweitern.

In den Regierungsentwürfen der Jahre 1951/1952 für die Kommunalgesetze war nur ein Überwachungsrecht des Gemeinderats, des Kreistags und des Bezirkstags als Gremium, nicht aber deren einzelner Mitglieder vorgesehen. In die Landkreisordnung fügte der Landtag ein Auskunftsrecht der Mitglieder des Kreistags ein. Besondere Gründe für ein Auskunftsrecht der einzelnen Kreistagsmitglieder sind – auch unter Berücksichtigung der Gesetzesmaterialien – nicht erkennbar (vgl. Antwort der Staatsregierung vom 20. Juli 1995/25. Juli 1995 auf die Schriftliche Anfrage des Abgeordneten Loew (SPD) vom 6. Juni 1995 (Drs. 13/2509)). Der Gesetzgeber hat bislang jedoch keinen Grund gesehen, das Auskunftsrecht auf die anderen kommunalen Ebenen auszudehnen.

Auch nach bisher herrschender verwaltungsrechtlicher Rechtsprechung besteht kein gesetzliches Auskunfts- oder Akteneinsichtsrecht des einzelnen Gemeinderatsmitglieds nach der Gemeindeordnung (vgl. BayVGH, Urteil vom 6.9.1989 – 4 B 89.00015 – BayVBl 1990, 278; Urteil vom 25.2.1970 – 150 IV 68 – BayVBl 1970, 222; ausdrücklich nicht entschieden: BayVGH, Beschluss vom 11.2.2014 – 4 ZB 13.2225 – BayVBl 2014, 405). Nur dem Gemeinderat als Kollegialorgan stehe nach der gesetzlichen Systematik das Recht auf Auskünfte und Akteneinsicht zu. Dieses Recht erstrecke sich nicht auf beliebige Informationen, sondern sei beschränkt auf den Aufgabenbereich des Gemeinderats, d.h. auf Fragen der Verwaltung der Gemeinde nach Art. 29 GO und zur Überwachung der Gemeindeverwaltung nach Art. 30 Abs. 3 GO. Allerdings stehe es dem Gemeinderat frei, im Rahmen seiner Geschäftsordnung individuelle Auskunfts- und/oder Einsichtsnahmerechte auch für einzelne Gemeinderatsmitglieder zu begründen. Das Einsichts- bzw. Auskunftsrecht des einzelnen Gemeinderatsmitglieds könne aber auch in diesem Fall nicht weiter reichen als die Rechte des Gemeinderats als Kollegialorgan. Auskunft bzw. Einsicht könnten daher auf der Basis der Geschäftsordnung nicht beliebig, insbesondere nicht für private Zwecke, sondern – entsprechend den Rechten des Gemeinderats als Kollegialorgan – nur unmittelbar zur Wahrnehmung des Amtes und zur Überwachung der Gemeindeverwaltung verlangt werden. Räume die Geschäftsordnung dem einzelnen Gemeinderatsmitglied einen entsprechenden individuellen Anspruch ein, könne auch das einzelne Gemeinderatsmitglied Akteneinsicht bzw. Auskunft verlangen. Bestünden Anhaltspunkte dafür, dass das Auskunftsverlangen missbräuchlich gestellt werde oder gesetzliche Regelungen – insbesondere die des Datenschutzes – dem Verlangen entgegenstünden, sei der Antrag abzulehnen.

Während also dem Gemeinderat als Kollegialorgan ein umfassendes Überwachungsrecht über die Gemeindeverwaltung gesetzlich zusteht (vgl. Art. 30 Abs. 3 GO) und damit das Recht, Auskunft zu erhalten, haben einzelne Gemeinderatsmitglieder nur dann, wenn sie durch Gemeinderatsbeschluss mit Überwachungsaufgaben betraut sind, gegenüber dem ersten Bürgermeister (nicht aber gegenüber einzelnen Gemeindebediensteten, soweit dies nicht vom ersten Bürgermeister als ihrem Dienstvorgesetzten allgemein oder im Einzelfall mit der Erteilung einer Information betraut sind) ein Recht auf Auskunft und ein Recht auf Akteneinsicht. Ein allgemeines, d.h. nicht von einem Gemeinderatsbeschluss abgeleitetes Informationsrecht eines einzelnen Gemeinderatsmitglieds über bestimmte Vorgänge in der Gemeindeverwaltung gibt es nicht. Ein weitergehendes Akteneinsichtsrecht haben die einzelnen Gemeinderatsmitglieder nur hinsichtlich der Niederschriften öffentlicher und nichtöffentlicher Sitzungen des Gemeinderats und seiner Ausschüsse (vgl. Art. 54 Abs. 3 GO) und nach Art. 102 Abs. 4 GO (Einsichts- und Auskunftsrechte in die Prüfungsberichte). Soweit ein einzelnes Gemeinderatsmitglied nicht mit der Erledigung einer Gemeinderatsaufgabe betraut ist, steht ihm kein Recht auf Information und Akteneinsicht zu, der erste Bürgermeister kann aber nach pflichtmäßigem Ermessen Informationen erteilen und Akteneinsicht gestatten, wenn ein berechtigtes Interesse vorliegt und keine gesetzlichen Hinderungsgründe (Steuergeheimnis, Ermittlungen wegen strafbarer Handlungen) entgegenstehen. Auch aus der Notwendigkeit einer sorgfältigen Sitzungsvorbereitung leite sich nicht das Recht und die Pflicht der einzelnen Gemeinderatsmitglieder ab, vor der Gemeinderatssitzung Einsicht in die entsprechenden Akten zu nehmen. Auch nach der Rechtsprechung hat das einzelne Gemeinderatsmitglied keinen gerichtlich einklagbaren Anspruch, von der Gemeindeverwaltung bestimmte Informationen zu erhalten. Insbesondere kann das einzelne Gemeinderatsmitglied ein Recht auf Informationen gegenüber der Gemeinde nicht daraus ableiten, dass für die Sitzung eine Teilnahmepflicht besteht und es sich nicht der Stimme enthalten darf (vgl. Art. 48 Abs. 1 Satz 1 GO), wonach dem einzelnen Gemeinderatsmitglied auch kein verfassungsrechtlicher Anspruch auf Bundesrecht auf Information über verwaltungsinterne Vorgänge der Gemeinde zusteht. Nach Auffassung des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs sei durch die gesetzlichen Regelungen der Gemeindeordnung und durch die Bestimmungen in der Geschäftsordnung ausreichend Vorsorge dafür getroffen, dass sich die Gemeinderatsmitglieder für eine Entscheidung über die einzelnen Beratungsgegenstände hinreichend kundig machen können. Die Notwendigkeit einer sorgfältigen Sitzungsvorbereitung erfordere nicht, dass die Gemeindeverwaltung jedem einzelnen Gemeinderatsmitglied Akteneinsicht zu gewähren habe. Es sei Sache des Bürgermeisters, gemäß Art. 46 Abs. 2 Satz 1 GO für eine ausreichende Sitzungsvorbereitung zu sorgen. Diese beinhalte, dass den Gemeinderatsmitgliedern so viele Informationen gegeben werden, dass sie über den Tagesordnungspunkt gemäß ihrer Verantwortung abstimmen können.

Nach BayVGH vom 15. Dezember 2000 (BayVBl. 2001, S. 666) steht dem einzelnen Gemeinderatsmitglied zum Zwecke der Information zwar ein mündliches Frage- und Antragsrecht zu, das den ersten Bürgermeister verpflichtet, während der Beratung im Gemeinderat Auskunft über den Beratungsgegenstand zu geben, grundsätzlich könne aber nur der Gemeinderat als Ganzes die Einholung bestimmter Informationen oder die Art und Weise der Beratung in der Gemeinderatssitzung, z.B. durch die Hinzuziehung bestimmter Fachleute, gegenüber der Gemeinde erzwingen. Inwieweit zur Vorbereitung eines Beratungsgegenstands schriftliche Unterlagen zur Verfügung gestellt werden müssen, richte sich nach den Umständen des Einzelfalls. Ein weitergehendes (subjektiv öffentliches) Informationsrecht für die einzelnen Gemeinderatsmitglieder zur sachgerechten Ausübung des Stimmrechts bestehe daher nicht. Dem einzelnen Gemeinderatsmitglied steht nach der Rechtsprechung auch kein Informationsrecht zur sachgerechten Ausübung des ihm zustehenden Antragsrechts zu.

In der Bezirksordnung findet sich eine mit dem Art. 30 Abs. 3 GO korrespondierende Bestimmung. Nach Art. 22 Abs. 2 Satz 1 BezO überwacht der Bezirkstag die gesamte Bezirksverwaltung. Damit ist wiederum das Kollegialorgan gemeint und das aus der Überwachungsaufgabe abgeleitete Recht des Gremiums als Ganzes, Auskunft zu erhalten.

Dagegen ist die Stellung des einzelnen Kreisrats im Verhältnis zum einzelnen Gemeinderatsmitglied oder Bezirksrat gestärkt. Die Kommunalgesetze regeln zwar die Überwachungsrechte der kommunalen Gremien grundsätzlich in gleicher Weise – der Gemeinderat, der Kreistag und der Bezirkstag überwacht die jeweilige Verwaltung, insbesondere die Ausführung seiner Beschlüsse (vgl. Art. 30 Abs. 3 GO, Art. 23 Abs. 2 LKrO und Art. 22 Abs. 2 BezO) – ein Auskunftsrecht für Mitglieder des Gremiums ist aber nur für die Kreisebene vorgesehen. Art. 23 Abs. 2 Satz 2 LKrO regelt, dass jedem Kreisrat durch das Landratsamt als Kreisbehörde (das Auskunftsrecht bezieht sich nicht auf das Landratsamt als Staatsbehörde gemäß Art. 37 Abs. 1 Satz 2 LKrO) Auskunft erteilt werden muss. Die Übertragung besonderer Überwachungsbefugnisse im Rahmen des Art. 23 Abs. 2 Satz 1 LKrO, die (sonstige) Beauftragung durch den Kreistag oder einen Ausschuss oder die Zuteilung bestimmter Geschäfte nach Art. 40 Abs. 3 LKrO ist dafür nicht Voraussetzung.

Die SPD-Fraktion im Bayerischen Landtag setzt sich nun im Rahmen des Gesetzentwurfs der Staatsregierung zur Änderung des Gemeinde- und Landkreiswahlgesetzes und anderer Gesetze (Drs. 17/14651) zum wiederholten Mal für die längst überfällige Harmonisierung der Art. 30 Abs. 3 GO und Art. 22 Abs. 3 BezO mit Art. 23 Abs. 2 LKrO ein (vgl. Drs. 17/15549, 17/15556 und 17/15558). Auch die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN hat in der Vergangenheit eine solche Angleichung gefordert.

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Bayern-SPD: Befugnis für Informationsfreiheitssatzungen in Gemeinde-/Bezirks- und Landkreisordnung aufnehmen

Publiziert am 13. März 2017 von Wolfgang Killinger

In Änderungsanträgen zum Gesetzentwurf der Bayer. Staatsregierung zur Änderung des Gemeinde- und Landkreiswahlgesetzes und anderer Gesetze XV (Drs. 17/14651) hat die SPD-Fraktion beantragt, dass in die Gemeinde-/Bezirks- und Landkreisordnung eine (deklaratorische) Vorschrift eingefügt wird, nach welcher diese Gremien eine Transparenz- und Informationsfreiheitssatzung beschließen können.
Dadurch soll ein Anreiz geschaffen werden, dass möglichst flächendeckend Transparenz- und Informationsfreiheitssatzungen in Bayern in Kraft gesetzt werden.

Die betreffenden Anträge lauten:
Drucksache 17/15548
Drucksache 17/15554
Drucksache 17/15557

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BayVGH: Inzeller IFS ist ungültig

Publiziert am 12. März 2017 von Wolfgang Killinger

Mit heute bekannt gewordenem Beschluss vom 27. Februar 2017 hat der Bayerische Verwaltungsgerichtshof (BayVGH) einem Normenkontrollantrag gegen die Informationsfreiheitssatzung (IFS) der Gemeinde Inzell (Landkreis Traunstein) stattgegeben und die Satzung insgesamt für unwirksam erklärt (Aktenzeichen 4 N 16.461).

Der in München wohnende Antragsteller, der in der Gemeinde Inzell ein Gewebe angemeldet hat, hatte sich insbesondere gegen die kommunale Satzung gewandt, weil diese nur Gemeindeeinwohnern Zugang zu gemeindlichen Informationen ermögliche. Er selbst sei damit vom Informationszugang ausgeschlossen.

Nach Auffassung des BayVGH dürfen Gemeinden im Rahmen ihrer Zuständigkeit zwar grundsätzlich selbst freien Informationszugang gewähren und diesen Zugang zugleich auf Einwohner der Gemeinde beschränken. Dem dürfe aber ein landesrechtliches Informationsfreiheitsgesetz entgegenstehen. Der bayerische Landesgesetzgeber habe inzwischen ein Auskunftsrecht im Bayerischen Datenschutzgesetz geschaffen, das möglicherweise Sperrwirkung für gemeindliche Satzungen entfalte. (Gemeint ist Art. 36 BayDSG, der allerdings das Auskunftsrecht restriktiv gestaltet und kein Informationsfreiheitsgesetz darstellt, wie es in nahezu allen Bundesländern existiert. Die IFS in den bayerischen Kommunen haben sich dagegen an den fortschrittlichen Informationsfreiheitsgesetzen der Bundesländer orientiert und gehen über das bayerische Landesgesetz hinaus. A. d. Autors).

Entscheidend für den BayVGH sei letztlich gewesen, dass die Ausgestaltung der Inzeller IFS die Offenlegung von personenbezogenen Daten sowie von Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen erlaube und damit in Grundechte Betroffener eingreife. Für derartige Grundrechtseingriffe bedürfe es nachständiger Rechtsprechung einer besonderen gesetzlichen Ermächtigung in Form eines Parlamentsgesetzes.
Somit fehlt auch nach Auffassung des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs ein Informationsfreiheitsgesetz.

Bei den Ausführungen des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs, ob Art. 36 BayDSG eine Sperrwirkung gegenüber kommunalen IFS'en entfaltet, handelt es sich um ein sog. "Obiter Dictum", also um eine Feststellung "bei Gelegenheit" und nicht um eine entscheidungsrelevante Feststellung des Gericht. Die Inzeller IFS ist nicht wegen oder an Art. 36 BayDSG gescheitert, weil der Gesetzgeber das Auskunftsrecht jetzt in einer Vorschrift kodifiziert hat. Darauf kam es nicht an, musste es auch nicht ankommen. Die IFS wurde auch nicht für nichtig erklärt, weil sie den Informationszugang auf Gemeindeeinwohner beschränkte und dies eine Verletzung des Gleichheitsgrundsatzes darstellen könnte. Das hat das Gericht nach allen Regeln der Kunst geprüft. Darauf kam es also auch nicht an.
Die IFS wurde für nichtig erklärt wegen mangelnder Verhinderung von Grundrechtseingriffen (Übermittlung von personenbezogenen Daten, Verletzung von Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen).

Dass in einer IFS das Datenschutzrecht und spezialgesetzliche Geheimhaltungspflichten gewahrt und durch entsprechende Ausnahmetatbestände Eingriffe in Rechte Dritter verhindert werden müssen, geht ganz klar aus einer Antwort der Staatsregierung auf eine Plenaranfrage hervor. Das Bündnis für Informationsfreiheit weist auch immer ausdrücklich darauf hin und wird diesen Sachverhalt in seiner Mustersatzung verdeutlichen. Daher sollte man sich durch die Entscheidung des BayVGH nicht "kirre" machen lassen. Gemeinden können weiterhin Informationsfreiheitssatzungen erlassen.

Eine weitere Bestätigung der Bayer. Staatsregierung finden Sie hier....

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Niedersachsen: Entwurf eines Transparenzgesetz vom Kabinett verabschiedet

Publiziert am 11. März 2017 von Wolfgang Killinger

Wir begrüßen Arne Semsrotts Kritik, der sie am 01. Februar 2017 in NETZPOLITIK.ORG veröffentlichte und geben Auszüge wieder:

Fast zwanzig Jahre ist es her, seit Brandenburg als erstes von nunmehr zwölf Bundesländern 1998 ein Informationsfreiheitsgesetz (IFG) einführte. Mit einiger Verspätung zieht jetzt auch Niedersachsen nach: Die rot-grüne Landesregierung hat gestern einem Entwurf für ein IFG (pdf) zugestimmt. Das Gesetz soll es ermöglichen, Daten und Dokumente von Behörden des Landes anzufragen.
Der Gesetzentwurf fällt allerdings hinter die Erwartungen an eine moderne Verwaltung zurück. Bürgern drohen für Auskünfte hohe Gebühren. Selbst Ablehnungsbescheide der Verwaltung sollen nach dem Entwurf Gebühren bis 500 € nach sich ziehen.
Anders als angekündigt doch kein richtiges Transparenzgesetz
Ursprünglich war vorgesehen, dass zentrale Dokumente wie Verträge der öffentlichen Hand, Pläne und Verwaltungsvorschriften aktiv von öffentlichen Stellen online veröffentlicht werden müssen. Dazu kam es letztlich aber nicht: Da es in Niedersachsen noch keine weit verbreitete elektronische Aktenführung gebe, sei eine solche Regelung derzeit nicht praktikabel, heißt es aus der Landesregierung. Stattdessen sieht der Entwurf vor, dass die Regierung beizeiten ein Online-Informationsregister per Rechtsverordnung schaffen kann. Ob dort dann aber tatsächlich auch Verträge publiziert werden, bleibt abzuwarten.
Aber nicht nur die Kommunen, auch viele Verwaltungsteile konnten sich erfolgreich gegen mehr Transparenz sperren. So sind etwa große Teile des Landtags selbst, der Hochschulen und Schulen, des Landesrechnungshofs, der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten sowie der Gerichte und Finanzbehörden vom Gesetz ausgenommen. Auf den Landesverfassungsschutz wird das Gesetz, wie auch in Bund und den meisten anderen Bundesländern, überhaupt nicht anwendbar sein.
Fehlen bald noch drei: Hessen, Sachsen und Bayern
Hessen prüft seit Jahren, ob es ein IFG einführen soll. Sachsen arbeitet derzeit, obwohl im Koalitionsvertrag festgeschrieben, an keinem Informationsfreiheitsgesetz. Bayern plant keines. Laut CSU-Innenminister Herrmann bestehe durch die Herausgabe von zu vielen Akten die Gefahr, dass „der Bürger überfordert“ werden könnte.

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Erstes Transparenzranking: Bayern ist Schlusslicht in Sachen Verwaltungstransparenz!

Publiziert am 10. März 2017 von klml

Jede Person hat das Recht auf staatliche Informationen - doch die Umsetzung dieses Rechts unterscheidet sich innerhalb Deutschlands. Wir haben erstmalig die Informationsfreiheits- und Transparenzgesetze in Bund und Ländern miteinander verglichen.

transparenzranking.de

Bayern hat dabei, ohne ein Informationsfreiheits- und Transparenzgesetze, leider 0 Punkte bekommen. In Bayern existiert zwar seit 2015 ein „Recht auf Auskunft“ als Teil des Datenschutzgesetzes, dieses ersetzt jedoch weder ein Informationsfreiheits- noch ein Transparenzgesetz.

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